Öffentliches Recht : Masse und Macht

Masse und Macht

EUR 14,95


überschätzt - Wer eine denkerische Durchdringung des Themas erwartet, wird enttäuscht sein. Das Buch beginnt recht interessant, bleibt aber bald stecken. Es ist flüssig lesbar bis zum Schluss, erschien mir aber zunehmend fade.Der innere Zusammenhang von Masse und Macht wird durchaus nicht klar, stattdessen werden wir mit immer neuen ethnologischen Exkursen beglückt, deren Notwendigkeit im Dunkeln bleibt. Die Denkhaltung ist durchweg belletristisch oder halb-philosophisch, wenn ein krudes System von Befehlsstacheln entworfen wird, aus dem etwa das gute gewissen den Henkers resultiert. Canetti will von allem etwas, aber nichts richtig. In diesem Genre haben sich andere, etwa Ortega y Gasset souveräner bewegt.

Halb Wissenschaft, halb Literatur - Elias Canetti musste lange warten, bis seine dichterischen Werke Anerkennung fanden. Nicht besser erging es ihm mit seinem philosophischen Hauptwerk, einem behäbigen, zwischen Wissenschaftlichkeit und Literatur changierenden Erklärungsversuch für die beiden titelgebenden Phänomene. Darin verzichtet Canetti weitgehend auf wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit der Fachliteratur. Stattdessen schreibt er, was er denkt, gelesen und selbst erlebt hat. Was ist Masse? Worin liegt ihre Faszination? Unterliegt sie bestimmten Gesetzmäßigkeiten? Diese Fragen treiben ihn um. Der Nationalsozialismus bildet die Folie für Canettis Beobachtungen, dass der Mensch gern in der Masse aufgeht und dass Macht sich vor allem aus dem Triumph des Überlebenden über die Toten ergibt. Welche Rolle Massensymbole spielen und warum Befehle überhaupt befolgt werden, wird ebenfalls dargelegt. Doch die politische Landschaft im NS-Deutschland ist nur der aktuelle Hintergrund, Canetti forscht tiefer und zieht vor allem anthropologische, ethnologische und soziologische Forschungen sowie eine Menge Mythologie zu Rate. Ein schwieriges Buch, dessen Bedeutung bis heute umstritten ist, an dem man aber nicht vorbeikommt, wenn man sich mit den Massenphänomenen des 20. Jahrhunderts beschäftigt.

Manche Bücher muss man eben lesen - Wer - wie ich - meint, sich das Lesen eines Buches ersparen zu können, indem er diese CD während einer langen Autofahrt hört, wird enttäuscht. Grund 1: Sachbücher mit hoher inhaltlicher Dichte lesen sich besser, weil man nur hier wichtige Stellen wiederholen kann. Grund 2: Die CDs enthalten nur einen Bruchteil des Buches. Sie geben nur einen groben Überblick über dessen Inhalt. Zudem ist es so wie bei vielen Autorenlesungen: Das Sprechen hätte man besser einem Profi überlassen. Zwar ist es mal ganz angenehm, den großen Canetti zu hören, ein Genuss ist es allerdings nicht. Man fragt sich doch wie ein Mensch mit dieser Stimme allerseits als Womanizer gesehen wurde.

Schöne Worte - Für Freunde schöner Formulierungen ist dieses Werk sicherlich ein Klassiker. Einige Beispiele aus dem Buch sind zweifelsohne zeitlos und sehr eindrücklich. Unterschiedliche Blickwinkel und Aspekte regen zum Nachdenken über das Thema Macht an. Für Personen, die in möglichst wenig Sätzen viele Gedanken vermittelt bekommen wollen, wird dieses Buch jedoch eine Enttäuschung. Mir war das Buch zu langatmig.

Buch für die Ewigkeit - In seinem umfassenden Werk erklärt Canetti bis in die kleinsten Einzelheiten seine Vorstellungen von den Vorgängen der Macht und der Instrumentalisierung der Masse. Dabei greift er oft und gerne auf ethnologische Aufzeichnungen zurück, was zusätzlich einen enormen Erfahrensspektrum für den Leser gibt. Canetti vergisst dabei jedoch nie, von afrikanischen Königen und vorchristlichen Herrschern in die Jetztzeit zurückzukommen, auch wenn keine expliziten Vergleiche gezogen werden. Bei all seinen Beispielen und Gedankensträngen ist man automatisch dazu angehalten zwischen den Zeilen zu lesen, selbst mit dem eigenen Erfahrungsschatz zu lesen. Canetti gibt nur eine Anleitung, öffnet die Augen für Sachen, die man unter diesem Gesichtspunkt nicht so gesehen hätte. Das macht dieses Buch zeitlos und jede neue Generation wird die Parallelen zur eigenen Gesellschaft wiederfinden.Das Besondere daran ist, dass Canetti in einer einfachen, für jeden lesbaren Sprache schreibt und sich hütet mit komplizierten Fachtermini herumzuwerfen. Er lässt es jedem interessierten offen zu interpretieren und weiterzudenken, er hat Aufbauarbeit geleistet, die für andere Grundstöcke sein sollen.Ein Gewinn.




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